Kriegsführung der Großmächte

Die Möglichkeit, dass ein umfassender Krieg eintreten könnte, wurde von den Großmächten einkalkuliert, sodass sie entsprechende Vorbereitungen trafen. Die Kriegsvorbereitungen umfassten daher beispielsweise die Bevorratung von kriegswichtigen Ressourcen und Gütern sowie die Ausdehnung von Zivilschutzprogrammen.[7]

Deutschland

Im europäischen Kontext war der Zweite Weltkrieg ein vom nationalsozialistischen Deutschland ausgelöster Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg mit dem langfristigen Ziel, ein unangreifbares deutsches Großreich aus eroberten und abhängigen Gebieten zu schaffen. Ziel war von Beginn an die deutsche Weltmachtstellung und die „rassistische Neuordnung des [europäischen] Kontinents“.[8] Dabei vermischten sich klassische machtpolitische mit rassenideologischen Motiven. Hierzu zählten einerseits die Gewinnung von „Lebensraum im Osten“ mit Umsiedlung oder Vernichtung der dort lebenden, als „rassisch minderwertig“ angesehenen, vorwiegend slawischen Völker, andererseits die „Endlösung der Judenfrage“. Beides wurde durch die antisemitische Vorstellung eines „jüdischen Bolschewismus“ als Teil einer Verschwörung des „Weltjudentums“ begründet, die in Gestalt der Sowjetunion als Bedrohung der Lebensgrundlagen der „arischen Rasse“ und der durch sie repräsentierten europäischen Zivilisation gesehen wurde

Das Konzept des Generalplans Ost, 1940 – 1943

Nach dem Willen der nationalsozialistischen Führung sollte die Volksgruppe der Slawen zunächst unterworfen und das eroberte Osteuropa von deutschen Siedlern, sogenannten Wehrbauern, nutzbar gemacht werden (vgl. Karte rechts). Nach Vernichtung ihrer Elite sollten die slawischen Völker für immer ein Reservoir von ungebildeten und unterwürfigen Land- und Hilfsarbeitern stellen. Der europäische Teil der Sowjetunion sollte in Gebiete unter der Leitung von Reichskommissaren aufgeteilt werden. Nur Weißrussen, Ukrainer und baltische Völker wurden als lebenswerte Völker eingestuft. Nach den Worten Alfred Rosenbergs würden „dem Russentum [.] sicher sehr schwere Jahre bevorstehen“.[9]

Die deutsche Strategie sah die Nutzung einer politisch und zeitlich begrenzten Gelegenheit zur strategischen Offensive vor. Sie verfolgte militärische, rassisch-hegemoniale, wirtschaftliche und diplomatische Ziele. In militärischer Hinsicht sollte der Blitzkrieg einen raschen und ausgiebigen Raumgewinn ermöglichen, um der sich abzeichnenden Überlegenheit der gegnerischen Rüstung zuvorzukommen. Damit stellte diese Strategie eine spezielle Ausprägung des Bewegungskriegs in Kombination mit der Entscheidungsschlacht[10] dar, die auf deutsche Erfahrungen im Ersten Weltkrieg zurückgriff. In wirtschaftlicher Hinsicht sollte sie Ressourcen schonen, um die Industriekapazitäten nicht zu Ungunsten der Konsumwirtschaft zu belasten. In der deutschen Bevölkerung sollte keine Unzufriedenheit wegen einer möglichen materiellen Verknappung entstehen. Zur Sicherung der „Heimatfront“ und im Sinne einer optimalen Nutzung der eroberten Kapazitäten wurde ein Zweifrontenkrieg zunächst vermieden, aber am 31. Juli 1940 verkündete Hitler auf dem Berghof bei Berchtesgaden seinen Generälen die schwerwiegendste Entscheidung, die er während des Zweiten Weltkrieges traf: „Im Zuge dieser Auseinandersetzung muss Russland erledigt werden. Frühjahr 1941.“ (Eintrag in Halders Kriegstagebuch, 31. Juli 1940).[11] Drittens sollte die Ausplünderung der besetzten Territorien, vor allem in Ostmittel- und Osteuropa, die Versklavung ihrer Bewohner zugunsten des Deutschen Reiches und seiner „arischen“ Bevölkerung die rassisch motivierten Hegemonialvorstellungen des Nationalsozialismus verwirklichen. Die diplomatische Gewinnung von europäischen und außereuropäischen Verbündeten sollte diese Hegemonialstellung absichern.

Die Empörung über den Versailler Vertrag, insbesondere die harten und als ungerecht empfundenen Reparationsforderungen sowie die einseitige Schuldzuweisung an die Mittelmächte fanden in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung Widerhall.[12] Die Revision des Versailler Vertrags und die Rückkehr des Deutschen Reiches in den Kreis der Großmächte waren stets mit besonderem Nachdruck von der deutschen Generalität, dem monarchistisch und antirepublikanisch gesinnten Teil des deutschen Bürgertums und der wirtschaftlichen Elite angestrebt worden. Für die Nationalsozialisten waren sie lediglich ein Etappenziel.

In der geheimen Denkschrift zum Vierjahresplan forderte Hitler im August 1936 die Einsatzfähigkeit der deutschen Armee und die Kriegsfähigkeit der Wirtschaft innerhalb von vier Jahren, um eine kriegerische „Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis“ für das Deutsche Reich zu erzielen.[13] Am 5. November 1937 präzisierte er vor den militärischen und außenpolitischen Führungskräften des Reiches seine Kriegsziele. Er lehnte Autarkie und Rückkehr Deutschlands zum Welthandel ab; nur der Erwerb eines größeren Lebensraumes sei ein Ausweg. Sein unabänderlicher Entschluss sei, spätestens 1943/45 die deutsche Raumfrage zu lösen.[14]

Nach dem 13. Oktober 1943, dem Tag der Kriegserklärung der Badoglio-Regierung in Italien, befand sich das Deutsche Reich im Kriegszustand mit 34 Staaten[15] und hatte nur noch das Kaiserreich Japan als nennenswerten Verbündeten. Diese beiden Staaten kämpften, unabhängig voneinander, einen aussichtslosen Krieg gegen den Rest der Welt. Weitere 18 Staaten erklärten dem Deutschen Reich bis März 1945 den Krieg. Deutschlands bisherige Verbündete in Südosteuropa, Ungarn und Rumänien, schieden 1944 aus. Finnland unterzeichnete am 19. September 1944 einen separaten Waffenstillstand mit der UdSSR. Bulgarien wurde im September von der Roten Armee besetzt, obwohl es sich nicht im Kriegszustand mit der Sowjetunion befand. In Serbien, Kroatien, Mazedonien und Montenegro wurden im Dezember 1944 „Volksregierungen“ gebildet, nachdem die Rote Armee Ende Oktober 1944 Belgrad besetzt und Tito sich in Moskau über das weitere Vorgehen verständigt hatte.[16] Nach dem Rückzug der Wehrmacht bildete sich in Tirana am 10. November 1944 eine kommunistische Regierung des Partisanen-Obersten Enver Hoxha.

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Italien

Mit dem Vertrag von Saint-Germain fielen nach dem Ersten Weltkrieg Julisch Venetien, Istrien, das Trentino sowie das deutschsprachige Südtirol an Italien. Im Oktober 1935 überfiel es das Kaiserreich Abessinien(heute Äthiopien) und annektierte das Land. Diese völkerrechtswidrige Annexion war Teil von Mussolinis erklärtem Ziel, das Römische Reich wiedererstehen zu lassen. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 nahm Mussolini eindeutig Stellung zugunsten des nationalsozialistischen Deutschland. Ohne Hitler vorher in Kenntnis zu setzen, ließ er Anfang April 1939 Albanien besetzen und behauptete, diese sei das Gegenstück zur deutschen Annexion Tschechiens rund vier Wochen zuvor.[17] Im sogenannten Stahlpakt vom Mai 1939 band sich Mussolini vertraglich an Hitler und das Deutsche Reich. Mit Italiens Kriegserklärung an Frankreich und Großbritannien trat das Land am 10. Juni 1940 in den Krieg in Europa ein, weil Mussolinis Fehlspekulation diesen glauben ließ, dieser sei so gut wie beendet.[18] Der Dreimächtepakt Ende September 1940 schuf zwischen Deutschland, Italien und Japan die Achse Berlin-Rom-Tokio. Ein knappes Jahr später schloss sich Mussolini am 23. Juni 1941 auch dem deutschen Krieg gegen die Sowjetunion an. Vier Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die USA. Nach der Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien im Juli 1943 überstimmte die innerparteiliche Opposition im Großen Faschistischen Rat Mussolini und ließ ihn nach einem anschließenden Besuch bei König Viktor Emanuel III. verhaften. Italien schied nach dem Waffenstillstand von Cassibile aus dem Achsenbündnis aus und trat auf der Seite der Alliierten erneut in den Krieg ein.

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